Leseprobe "Kopfkino für Fortgeschrittene"

Auszug aus "Maskerade"

Rosenmontag

Jana und Hannah strahlen mit dem Sonnenschein um die Wette.
„Hast du ein Glück, dass es warm draußen ist! Wir hatten auch schon Minusgrade, da muss man zu viel von innen wärmen.“, freut sich Hannah. Sie trägt ein Mittelalterkostüm. Jana steht vor dem Spiegel und schminkt gerade den großen Mund in ihr weiß grundiertes Gesicht. Danach setzt sie die knallgelbe Lockenperücke auf und zieht die Stiefel an.
„Fertig!“, ruft sie fröhlich.
Hannah lacht.
„Hier ist ein Schlüssel zum Haus, falls wir uns doch verlieren sollten. Na dann, auf ins Getümmel!“
Ein paar Stunden später sind die beiden Frauen kräftig in Feierlaune, haben schon das eine und andere Bier getrunken, Kamelle in sich reingestopft, gesungen und den Umzug bestaunt. Reichlich pflastermüde suchen sie sich eine gemütliche Kneipe und bestellen etwas Handfestes als Grundlage für den weiteren Abend. Sie haben Glück abseits von der City, obwohl es auch hier brechend voll und die Stimmung heiter bis feuchtfröhlich ist. Am großen, runden Tisch sitzen sie mit wildfremden Trappern, Indianern und Feuerwehrmännern zusammen und versu-chen sich im Smaltalk. Für Jana ist es schwierig, den Dialekt zu verstehen, zumal einige dem Alkohol schon reichlich zugesprochen haben. Von ihrem Platz aus hat sie einen guten Überblick über den Raum und beobachtet die Leute. Sie macht sich einen Spaß daraus zu ergründen, welcher reale Mensch sich hinter welchem Kostüm verbirgt. Ob der Arzt in Wahrheit ein Barkeeper ist? Der Mönch ein Taxifahrer? Die Froschkönigin vielleicht eine Brookerin? Noch interessanter ist die Vorstellung davon, wie sich die Faschingsgestalten im Bett verhalten. Ist der muskelbepackte Rocker möglicherweise devot? Schwingt Dornröschen zu Hause die Peitsche oder lässt sich der Husar vielleicht gern fesseln?
Hannah bekommt von Janas Gedanken nichts mit. Sie ist angeregt vertieft in ein Gespräch mit Winnetou, der ihr immer wieder in den Ausschnitt stiert. Inzwischen hat er einen Arm um die Mittelalterlady gelegt und baggert heftig und, dem Gekicher Hannahs nach zu urteilen, wohl auch erfolgreich.
Es ist inzwischen nach acht abends. Jana beobachtet das Treiben am Tisch und schweift mit ihrem Blick immer wieder durch den Raum. An der Tür ist Bewegung entstanden, weil eine Gruppe gerade aufbricht, während eine andere ankommt. Es scheint sich um einen Elferrat zu handeln, denn etliche tragen prunkvolle Uniformen mit den typischen Komitee-Mützen. Einer von ihnen schaut genau in dem Augenblick zu Jana, als sie ihn entdeckt und sich unbewusst über die Lippen leckt. Groß gewachsen und schon leicht grau meliert macht er eine gute Figur. „Dominant oder devot?“, versucht Jana wie schon vorhin abzuschätzen. Noch immer hält er Blickkontakt, wird aber von seinen Kumpanen abgelenkt und setzt sich. Der Zufall will es, dass er Jana weiter beobachten kann. Immer wieder schielen sie zueinander hin. Was soll schon passieren? Ein kleiner Flirt im Trubel, außerdem ist sie durch ihre Schminke nicht zu erkennen. Jana ergreift die Initiative. Sie verlässt ihren Platz, streift im Vorbeigehen über seine Schulter, als müsse sie sich wegen der Enge abstützen und geht weiter zu den Toiletten. Wie erhofft, folgt er ihr und steht im Vorraum, als sie den Ladysroom wieder verlassen will.
„Hey du Kobold, du hypnotisierst mich ja fast mit deinen strahlend blauen Augen. Siehst du, schon folge ich dir brav wie ein Schoßhund in dieses Ambiente. Dafür wirst du mir einen Kuss schenken.“
Spricht´s, umfasst ihren Nacken und küsst sie direkt auf den Mund. Nichts ungewöhnliches, im Karneval. Wären da nicht die festen Lippen, die nicht nach einer flüchtig-freundschaftlichen Berührung verschwinden. Vorsichtig beginnt ihr Besitzer zu liebkosen, zu streicheln, zu knabbern. Der Kuss wird leidenschaftlicher als er merkt, dass Jana ebenso gefangen ist wie er. Andere kommen und gehen, kichern oder machen anzügliche Bemerkungen. Die beiden bekommen davon nichts mit. Versunken in diesen zauberhaften Moment genießen sie einfach nur.
„Ich will mehr von dir, mein schöner Harlekin, aber ich kann noch nicht weg. Sag jetzt nichts. Wenn es nicht nur bei diesem atemberaubenden Kuss bleiben soll, dann komm gegen zehn zu mir ins Marriott, Zimmer 514. Ich würde mich freuen. Sehr.“ Noch ein flüchtiger Kuss, ein Augenzwinkern und weg ist er.
Jana leckte sich über die brennenden Lippen. Wow!

Teufelchen begeistert: „Hui, was war´n das?! Der kann küssen! Wenner im Bett … „
Engelchen: „Hey, wo wandern denn meine Gedanken hin? Ich kann doch nicht … „
Teufelchen enttäuscht: „Warum denn nisch?“
Engelchen: „Weil ich ihn doch gar nicht kenne. Mit einem wildfremden in den Laken wälzen, das geht doch nicht!“
Teufelchen grummelt: „Wär´ ja nisch das erste Mal. Un die ander´n war´n einfach nur geil!“
Engelchen: „Und was ist beim letzten Mal herausgekommen?“
Teufelchen altklug: „Megaärscher. Aber die Gefahr besteht doch hier nisch. Eene Nacht, nisch mehr. Den siehste nie wieder.“
Engelchen: „Mpfhhh.“
Teufelchen singt: „Ich will Spaß, ich will Spaß…!“


Jana geht zurück zum Tisch. Hannah und Winnetou sind verschwunden.

Teufelchen aufgeregt: „Das ist der Wink den Schicksals.“
Engelchen: „Quatsch. Das sind außer Kontrolle geratene Hormone. Na toll. Was mache ich denn jetzt?“
Teufelchen: „Ein Taxi rufen?“

Als Jana vor dem Hotel aus dem Taxi steigt, ist sie alles andere als relaxed. Sie durchquert erhobenen Hauptes die Lobby und fährt mit dem Lift in die fünfte Etage. Zimmer 514. Zaghaft klopft sie. Und wartet. Und wartet. Und wartet.

Engelchen mault: "War ja klar. So eine dumme Idee!"
Teufelchen: "Menno, nu warde doch ma."
Engelchen hämisch: "Worauf?"
Teufelchen: "Er kann sooo gut küssn."
Engelchen zynisch: "Wer weiß wenn!"
Teufelchen: schnieft

Als sie sich gerade enttäuscht umdreht, macht der Lift „Pling!“ und der Unbekannte steigt aus.
„Du bist tatsächlich hier!“, flüstert er mit strahlenden Augen und öffnet die Zimmertür.
„Ich freu´ mich. Komm ´rein.“ Er fasst Jana an der Hand und nimmt sie mit in die Suite.
“Darf ich mich vorstellen? Ich bin …“
Weiter kommt er nicht, denn Jana legt ihm einen Finger auf den Mund.
„Ich will es nicht wissen. Eine Nacht im Karneval. Heiß und intensiv. Einmalig. Du bist Mars, ich bin Venus.“
Mars betrachtet seine Venus und nickt langsam und verstehend. Sanft hält er ihre Hand fest und knabbert an dem Finger, der seine Lippen verschlossen hat. Er küsst sie wieder, so wie wenige Stunden zuvor, bis er sich schwer atmend von ihr löst. „Dann sollten wir aus Harlekina zuerst eine Venus machen. Lass uns duschen gehen!“
Vier Hände streichen über zwei nasse Körper, verteilen Gel und Gänsehaut unter dem warmen Wasser. Lust durchflutet Nervenbahnen, Gier kommt auf. Glitschiges aneinander Reiben. Stöhnen. Knurren. Hecheln.
Kraftvolles Stoßen. Zartes Beißen. Sanftes Lecken.
Feuerwerk im Kopf.
Ekstase.

Das Wasser läuft noch immer. Mars steht hinter seiner Venus und hält sie fest umschlungen.
„Dreh dich um, Schaumgeküsste, ich möchte dein wahres Antlitz sehen.“
Jana lächelt als ihr klar wird, dass er eigentlich die Katze im Sack gekauft hat. Sie wischt noch einmal kräftig über ihr Gesicht und dreht sich danach um.
„So schön.“, flüstert er und beginnt schon wieder, sie zu küssen. Dabei stellt er die Dusche aus und trägt Venus aus dem Bad auf das große Bett. Schnell trocknet er sich ab, bevor er sich ihr zuwendet. Sein erstes Verlangen ist gestillt. Nun möchte er jeden Zentimeter dieses Körpers erforschen, die weiche Haut berühren und in Schwingung versetzen. Er freut sich über jeden Schauer, den er erzeugt, jeden Lustlaut, den er hört. Vertrauensvoll offen liegt diese Frau vor ihm, gibt und nimmt schrankenlos.
Seine Zunge beginnt am Hals, einzelne Wassertropfen aufzunehmen. Über Schlüsselbein und Schultern führt ihn sein Weg zu den vollen Brüsten. Steil und hart ragen ihm die roten Spitzen entgegen, bitten regelrecht darum, geküsst, geleckt und beknabbert zu werden. Ausgiebig widmet sich Mars diesen göttlichen Hügeln und freut sich über Venus´ Stöhnen. Sie liegt nicht bewegungslos wie eine Flunder, sondern kommt ihm entgegen, bäumt sich auf, zieht seinen Kopf näher heran, lenkt ihn sacht. Weiter geht seine Reise. Er besucht das Tal des Nabels, streicht wellige Hüften und begibt sich endlich auf den Hügel seiner Venus. Einladend hat sie ihre feuchten Schenkel geöffnet, ihr Duft strömt ihm anregend entgegen. Seine Lippen küssen ihre, statt mit ihrer Zunge spielt er mit ihrer Perle. Er labt sich an ihrer Feuchte. Mit harter Zunge stößt er zu, mit weicher reizt er. Seine Hände umfassen ihren Po, halten die fest, die sich immer heftiger vor Lust windet. Er spürt, dass sie fast auf dem Gipfel ist - und lässt seine Zunge ruhen. Venus knurrt unwirsch. Mars lacht in sich hinein und legt sich so auf die Schöne, dass seine harte Lanze weich gebettet wird.
„Wenn wir schon Götter sind, werden wir auch göttlich ficken.“, hört Venus ihn rau und ganz nah. Seine Zunge umspielt ihre Ohrmuschel. Sofort schießen Blitze in ihren Schoß und sie bäumt sich unter ihm auf...